Forschungsprojekt zum klimaneutralen Campus

An der Leuphana erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Nachhaltigkeit auch ihre Universität als Organisation. Besonderen Erfolg hatte die „Klimaneutrale Leuphana“ mit der ersten klimaneutralen Bilanz für 2014. Bei der Entwicklung des neuen Zentralgebäudes beteiligten sich Professorinnen und Professoren an einem laufenden Diskurs mit den Architekten an der nachhaltigen Entwicklung des Baus.

Das Projekt Klimaneutraler Campus Leuphana Universität Lüneburg

Im November 2010 erhielt die Leuphana vom Bundesministerium für Wirtschaft eine Förderzusage über 3,4 Mio. Euro zur Realisierung eines Gebäude- und Energiekonzeptes für eine klimaneutrale Energieversorgung des Campus und des angrenzenden Stadtgebietes Lüneburg-Bockelsberg. Das Projekt "Klimaneutraler Campus Leuphana Universität Lüneburg" war geboren.

Ziel war ein Energiesystem, welches integral mit der Sanierung der Bestandsgebäude in einem innovativen Prozess beplant und aufbauend auf den Erfahrungen hinsichtlich Wärmespeicherung im Untergrund entwickelt wird. Das Projekt begleitet die Entwicklung eines „intelligenten“ Steuerungssystems für Zentralgebäude und Wärmenetz wissenschaftlich. Die flexible Reaktion auf die Situation im Wärmenetz erlaubt eine optimale Exergieausnutzung.

Ein bedeutender Forschungsaspekt ist die Untersuchung und Planung einer optimierten Einbindung eines Hochtemperatur-Aquiferwärmespeichers durch geringe Rücklauftemperaturen, die eine hohe Effizienz bei der Speicherentladung gewährleisten. Mit dem Speicher wäre eine exergetisch sinnvolle Energieauskopplung für das Zentralgebäude möglich. Das bedeutet, dass der Rücklauf aus dem Heiznetzen Bockelsberg und Campus sowie die aus dem Speicher zurückgewonnene Wärme in den Mittel- und Niedrigtemperatur-Heizkreisen des Zentralgebäudes direkt genutzt und bis auf 25 °C ausgekühlt werden kann. So wird die gesamte im warmen Wasser enthaltene Energie genutzt und Netzverluste werden niedrig gehalten.

Die Planungen sind inzwischen abgeschlossen, die Campusgebäude wurden energetisch optimiert und das Zentralgebäude fast fertiggestellt. Die Ziele des Projekts konnten vollständig umgesetzt werden.

Ein Blick in die Zukunft

Der Aquiferwärmespeicher kann im Zusammenhang mit der Klimaneutralität als Schlüsseltechnologie bezeichnet werden, denn mit ihm können zusätzlich etwa 2500 t/a an CO2-Emissionen eingespart werden. Mit der Einführung des Speichers kann die Universität selbst unter Einbezug der indirekten Emissionen aus dem Pendelverkehr von Mitarbeitern und Studierenden klimaneutral werden.

Außerdem ermöglicht der Aquiferwärmespeicher im Nachgang die Integration weiterer Wärmequellen (bspw. Solarthermie oder industrielle Abwärme), um eine vollständige Strom- und Wärmeversorgung für das ganze Jahr aus erneuerbaren Energien vorzuhalten. Der Speicher, der das alte Problem, dass es im Sommer zu heiß und im Winter zu kalt ist, lösen soll, wird dabei mit einer erstaunlichen Effizienz arbeiten: 75 % der eingespeicherten Wärme können nach einem halben Jahr wieder zurückgewonnen werden und ersetzen klimaschädliches Erdgas.

Das Präsidium der Universität gab im August 2016 grünes Licht für den Bau des Speichers, der zum Großteil aus Forschungsmitteln finanziert werden soll. Besonders interessant dabei: Durch die für den Campus und den Stadtteil Bockelsberg benötigte Wärme wird der Speicher nur zu 1/3 ausgelastet. Dies ermöglicht eine Erweiterung auf andere Stadtteile für eine nachhaltige Wärmeversorgung in Lüneburg.

Bis zur Klimaneutralen Universität war es ein langer Weg. 1999 nahm alles seinen Anfang mit dem Projekt „Agenda 21 und Universität Lüneburg“. Im Jahr 2000 wurde die Universität nach EMAS mit einem zertifizierten Umweltmanagementsystem auditiert. Mit dem Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Sustainable University“, 2004 bis 2007, bekam das Ziel weiteren Aufwind. Als das neue Präsidium in 2007 die Weichen für eine „humanitäre, nachhaltige und handlungsorientierte Universität für die Zivilgesellschaft des 21ten Jahrhunderts“ legte, wurde zunehmend größer gedacht: Mit der Entscheidung zum Bau des neuen Zentralgebäudes wurde das Energiekonzept überarbeitet und das Ziel, Klimaneutrale Universität zu werden, ausgegeben.