Aktives Plenum

Das aktive Plenum ist ein Konzept zur aktiven Beteiligung der Studierenden am Lehr-Lern-Prozess. Ziel des Konzepts ist es, dass Studierende gemeinsam Aufgaben lösen und fachspezifische Denk- und Arbeitsweisen anwenden. Indem Studierende Teile der Lehrendenrolle übernehmen, wird die Lehre eine von Lehrenden und Studierenden gemeinsam zu verantwortende und gestaltende Sache.

Der Begriff „aktives Plenum“ wurde von Ulrich Iberer vorgeschlagen und unterstreicht das lerneraktivierende Potenzial der Sozialform „Plenum“ – einer Lehrform, die üblicherweise mit Frontalunterricht und somit mit Passivität in Verbindung gebracht wird. Die Methode des aktiven Plenums entwickelte sich aus der von Jean-Pol Martin 1982 begründeten handlungsorientierten, konstruktivistischen Unterrichtsmethode „Lernen durch Lehren“ (LdL), die von Joachim Grzega weiterentwickelt wurde. Das Modell LdL zielt auf die Wissensvermittlung durch die Lernenden selbst ab („Klasse als Gehirn“).

Die Methode des aktiven Plenums kann sehr unterschiedlich genutzt werden. Sie ist u.a. geeignet um Ideen zu sammeln, Aufgaben gemeinsam zu lösen, inhaltlichen Austausch zu fördern sowie den eigenen Lernstand zu reflektieren. Sie ist sowohl für kleine Gruppen als auch für Veranstaltungen mit vielen Teilnehmer_innen geeignet.

  • Teilnehmer_innen
  • Rolle der Lehrperson
  • Voraussetzungen und Material
  • Zeitbedarf
  • Ablauf
  • Verwendete Literatur und Links
  • Kontakt

Teilnehmer_innen

  • Kleine Gruppen ab 8 Teilnehmer_innen
  • Größere Gruppen, z.B. auch in Vorlesungen

Rolle der Lehrperson

  • Vorbereitung von Fragen, Aufgaben, Problemstellungen und Thesen sowie Materialien
  • Vorstellung der Methode
  • Während die Studierenden kollaborativ ein Problem lösen, nimmt sich die Lehrperson zurück und setzt sich ganz hinten in den Hörsaal.
  • Gerät die Aufgabenlösung im Plenum ins Stocken, gibt die Lehrperson Tipps bzw. weist auf Fehler hin. Die Wahl des richtigen Zeitpunkts der Intervention erfordert Fingerspitzengefühl.
  • Den Studierenden, die vorne stehen, gibt die Lehrperson methodisch-didaktische Hinweise (z.B. „Sie verdecken die Tafel“, „Eine Person in Reihe sieben meldet sich“, „Sie könnten jetzt nachfragen, ob noch jemand eine Frage hat“).

Voraussetzungen und Material

  • Die Lehrperson formuliert Fragen, Aufgaben, Problemstellungen, Thesen zu einem Thema.
  • Die Studierenden sind inhaltlich auf die Plenumssitzung vorbereitet, z.B. durch ein zu lesendes Skript oder durch ein Vorlesungsvideo, das im Vorfeld anzuschauen ist.
  • Räumlichkeit mit Tafel oder der Möglichkeit, Plakate anzubringen
  • Kreide oder Moderationsstift für Student_in, die/der das Sammeln der Ideen übernimmt

Zeitbedarf

  • Das aktive Plenum kann sowohl als Szenario innerhalb einer Veranstaltungssitzung stattfinden als auch über die gesamte Zeit der Veranstaltungssitzung.
  • Es eignet sich sowohl für Seminar- wie Vorlesungssitzungen.

Ablauf

Hinführung:

  • Zunächst erläutert die Lehrperson die Methode.

Durchführung:

  • Die Lehrperson gibt eine Frage, eine Aufgabe, eine Problemstellung, eine These in das Plenum hinein.
  • Die Teilnehmer_innen beraten und entscheiden gemeinsam, bringen ihre Ideen ein und lösen das Problem kollaborativ. Hierbei kann nach der Methode „Think-Pair-Share“ (Einzelarbeit – Partnerarbeit – Gruppenarbeit) vorgegangen werden.
  • Ein Student/eine Studentin moderiert die Diskussion. Ein anderer Teilnehmer/eine andere Teilnehmerin protokolliert an der Tafel.
  • Die Lehrperson nimmt sich aus dem Geschehen zurück und setzt sich ganz hinten in den Hörsaal.
  • Die Studierenden führen Prozesse wie Problemlösen, Argumentieren und Kommunizieren selbst durch. Die Beiträge müssen offen und wertfrei geäußert werden dürfen. Fehler sind erlaubt.
  • Empfehlung: Phasen des „aktiven Plenums“ sollten sich mit kurzen Vortragsphasen durch die Lehrperson abwechseln, die neue Denkimpulse in das Plenum hineingibt. Die Lehrperson sollte nach Diskussionen und nach der Bearbeitung von Aufgaben die zentralen Ergebnisse zusammenfassen.

Verwendete Literatur und Links

Berger, Lutz/ Grzega, Joachim/ Spannagel, Christian (Hg.) (2011): Lernen durch Lehren im Fokus. Berichte von LdL-Einsteigern und LdL-Experten. Ein Workshop-Band zum LdL-Tag 2009 an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Berlin: epubli GmbH. Der Sammelband bietet Erfahrungsberichte und Einsatzbeispiele von LdL-Experten und LdL-Einsteigern (u.a. von Ulrich Iberer zur Bedeutung der Sozialform „Plenum“ im Kontext moderner, konstruktivistischer Lernphilosophien und von Christian Spannagel zum Einsatz des Konzepts „aktives Plenum“ in Mathematikvorlesungen).

Hoffmann, Friederike (2015): Das aktive Plenum [Blogeintrag]. In: Didaktikblog Hohenheim, veröffentlicht am 08.04.2015, online unter: didaktikblog.uni-hohenheim.de/2015/04/das-aktive-plenum/ (letzter Zugriff: 25.06.2018).

Informationen und Erfahrungsberichte zu LdL finden sich auf der LdL-Plattform unter www.ldl.de (letzter Zugriff: 25.06.2018).

Von Christian Spannagel gibt es eine Videoeinführung zum Einsatz des aktiven Plenums in Mathematikvorlesungen: Spannagel, Christian (2012): Das aktive Plenum. [You Tube-Video], veröffentlicht am 19.02.2012, online  unter: www.youtube.com/watch (letzter Zugriff: 25.06.2018).

Kontakt

Sie möchten die Methode in der Lehre umsetzen und haben noch Fragen oder benötigen Unterstützung? Wenden Sie sich gerne an die Referentin für dialogorientierte Lehre - Dr. Judith Gurr (judith.gurr@leuphana.de, Tel.: 04131 677 2709).