Honorary Doctorates - Die Ehrenpromotionen

Die Fakultäten der Leuphana Universität Lüneburg verleihen Ehrenpromotionen an Persönlichkeiten, die in Wissenschaft und Forschung Herausragendes geleistet haben, in Übereinstimmung mit den Idealen und Zielen der Leuphana. Die Ehrenpromotionen für herausragende Forschende dienen als Grundlage für eine Weiterentwicklung der Zusammenarbeit zwischen diesen Persönlichkeiten und der Universität und fördern die Inspiration innerhalb der akademischen Gemeinschaft der Leuphana.

Die diesjährigen Ehrendoktorwürden

Als einer der prägenden deutschsprachigen Intellektuellen der Jahrtausendwende steht Prof. Dr. Hans Ulrich Gumbrecht für das Gegenteil akademischer Moden. Gerade weil er keiner Schule angehört und keine Schule gegründet hat, sondern auf den Gestus des kritischen Kommentars ebenso vertraut wie auf die Intensität des Denkens und des daraus folgenden Handelns, verkörpert er wie kaum ein anderer den humanistischen, handlungsorientierten und nachhaltigen Anspruch der Leuphana.


Sein wissenschaftliches Werk ist geprägt von einer Auseinandersetzung mit der Gegenwart, die nicht vor der Zukunft zurückscheut und die Vergangenheit stets bei sich führt. Er ist in mehreren Sprachen und Kulturen heimisch und die historische Tiefe seiner Arbeiten reicht vom Mittelalter bis zur jüngsten Gegenwart. Weltweite Anerkennung wurde Hans Ulrich Gumbrecht zuteil für seine Arbeiten zur Literaturgeschichte Südamerikas, zur Ästhetik des Sports und zur kulturellen Situation der Zeit. Seine Bücher, zuletzt das autobiographische Werk „Nach 1945“, wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und haben weite Kreise gezogen. Seine Bibliographie hat einen fast monographischen Umfang erreicht und umfasst auf derzeit 85 Seiten fast 40 Monographien, 30 Sammelbände, fast 400 wissenschaftliche Artikel und gut 1.000 Zeitungsbeiträge, Rezensionen und Interviews. Über seinen Weblog bei der FAZ erreicht er mit wöchentlichen Texten eine große Leserschaft.

Die Fakultät Bildung würdigt Prof. Dr. Manfred Prenzel als einen der bedeutendsten Vertreter der Empirischen Bildungsforschung. Er bekleidet eine der zentralen Professuren dieses Faches, nämlich den Susanne-Klatten-Stiftungslehrstuhl für Empirische Bildungsforschung in der School of Education der Technischen Universität München. Von 2012 – 2014 war Manfred Prenzel der erste Präsident der Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung, an deren Gründung er maßgeblich beteiligt war. Gerade in der Empirischen Bildungsforschung als einem disziplinenübergreifenden Forschungsfeld bezieht er in seinen zahlreichen Publikationen neben pädagogischen, psychologischen und soziologischen Perspektiven insbesondere auch fachdidaktische und bildungsökonomische Sichtweisen ein. Er veröffentlicht diese in den jeweils angesehensten Fachzeitschriften sowie für die breite Fachöffentlichkeit, die Praxis und die Bildungspolitik.


An der Konzeption und fortlaufenden Weiterentwicklung des SINUS-Projekts war Manfred Prenzel maßgeblich beteiligt. Dieses wurde – ausgehend von der Third International Mathematics and Science Study (TIMSS 1995) – seit Ende der 1990er Jahre in vielen Bundesländern im Auftrag der damaligen Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung durchgeführt. Sowohl in der Wissenschaft als auch in der Öffentlichkeit ist er seit Beginn der 2000er Jahre auf das Engste mit der internationalen Schulleistungsstudie PISA verbunden. So ist Manfred Prenzel seit 2000 Mitglied des nationalen PISA Konsortiums und war nationaler Projektmanager von PISA über mehrere Erhebungsrunden und viele Jahre hinweg. Nicht zuletzt hat sich Manfred Prenzel von 2014 bis Anfang 2017 als Vorsitzender des Wissenschaftsrates mit großem Engagement für die Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems eingesetzt.

Die Fakultät Wirtschaftswissenschaften verleiht Prof. Dr. Dr. Ann-Kristin Achleitner die Ehrendoktorwürde (Dr. rer. pol. h.c.) für ihr wissenschaftliches Werk im Bereich Entrepreneurial Finance. Die Leuphana Universität Lüneburg möchte hiermit Prof. Dr. Dr. Achleitners herausragende Beiträge zur Forschung an der Schnittstelle von Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, etwa zu Risikokapitalfinanzierung und Familienunternehmen, würdigen.


Neben ihren Arbeiten im Bereich Entrepreneurial Finance verfasste Ann-Kristin Achleitner wegweisende Beiträge zum Thema Social Entrepreneurship, mit denen sie wesentlich zum besseren Verständnis von sozialem Unternehmertum beitrug. Mit ihrem vielseitigen Engagement steht Frau Prof. Achleitner für eine Wirtschaftswissenschaft, die keinen Selbstzweck darstellt, sich nicht im Elfenbeinturm versteckt, sondern für eine Wissenschaft mit den höchsten fachwissenschaftlichen Ansprüchen, die den transdisziplinären Dialog und Austausch mit der Praxis sucht.


Prof. Dr. Dr. Achleitners wissenschaftliches Werk sucht in Breite, Tiefe und Umfang seinesgleichen. Insbesondere möchten wir durch die Verleihung einer Ehrenpromotion ihre wegweisenden Arbeiten zu Entrepreneurial Finance und Social Entrepreneurship hervorheben. Diese liefern tiefgehende Einblicke in Unternehmertum im Allgemeinen und Managementpraktiken im Speziellen. Das Verständnis solcher Praktiken stellt ein wichtiges Fundament für verantwortungsvolles Handeln in Organisationen dar. Unternehmerische Verantwortung wiederum ist für die Leuphana ein zentraler Baustein für eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft.

The faculty of Business and Economics at Leuphana University of Lüneburg is delighted to confer the honorary doctorate Dr. rer. pol. (h.c.) to Professor Helen Nissenbaum to emphasize the significance of her research in the field of privacy in a networked world.


Based on her framework of contextual integrity, she demonstrates that there is no fundamental contradiction between the sharing of data and the protection of privacy – as long as all parties involved adhere to context-relative informational norms. In widely respected articles, published among others in computer science journals, Professor Nissenbaum points out that reducing privacy requirements in IT systems to questions about anonymization of personal data in no way does justice to the complexity of the subject. With her contributions to privacy enhancing software initiatives like AdNauseam and TrackMeNot she shows very effectively and consistently that excellence in research and successful engagement in practice complement one other ideally.
With the honorary doctorate, Leuphana wishes to recognize how well Helen Nissenbaum has brought together theory and practice. She very effectively and consistently shows that excellence in research and successful engagement in practice complement one other ideally. One example of her dedication is her work as a consultant to the Obama administration, where she contributed to the development of recommendations for the Federal Trade Commission on the protection of consumer privacy. Applying her profound knowledge of European concepts of privacy security and their historical roots, Helen Nissenbaum was an important asset to the process. Another contribution to solving current challenges in privacy protection is her development of software tools that help millions of internet users to obfuscate their user profiles.

Leuphana Ehrendoktoren

Ehrendoktoren der vergangenen Jahre finden Sie auf dev2.leuphana.de/personen