Die Ehrendoktoren 2008

Zum dies academicus ehrt die Leuphana Universität Menschen, die Vorbild darin sind, mit Skepsis zu denken und mit Überzeugung zu handeln. Mit der Ehrendoktorwürde zeichnet sie Persönlichkeiten aus, deren kritische Haltung zu bewundern ist, und denen die Universität sich im Geiste verbunden fühlt: für den Mut, Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen. Im Jahr 2008 wurden in diesem Sinne ausgezeichnet:

Prof. Dr. Ivan Nagel. Er lehrt an der Central European University in Budapest als Professor für Geistesgeschichte. Sein Wirkungskreis umfasst das Theater, er ist Schriftsteller, Kritiker und Essayist. In Budapest geboren, von den Nazis und den Kommunisten verfolgt, ist sein Lebens- und Arbeitsweg eng mit Deutschland verbunden. Die wechselvollen Stationen führten ihn mit Themen der Germanistik, Philosophie und Soziologie unter anderem nach Frankfurt, München und Hamburg. 1989 wurde Nagel Professor für Ästhetik und Geschichte der darstellenden Künste an der Universität der Künste in Berlin.

Ivan Nagel zeichnet sich dadurch aus, dass er stets und wie kein Zweiter für seine Überzeugungen eintrat und eintritt. Einer, der in zahlreichen Essays und Publikationen öffentlich denkt. Mit hoher Sensibilität spürt er Themen auf, die die Gesellschaft bewegen. Er hinterfragt gängige ästhetische Formen und macht so für das Theater, aber auch für die Gesellschaft Neues möglich. Die Leuphana ehrt in ihm einen Mann, der uns berührt, indem er unbequeme Fragen stellt und inspirierende Antworten findet.

Prof. Dr. Joachim Möller. Er forscht in der Volkswirtschaftslehre unter anderem zu Themen von Lohnstrukturen, Lohnungleichheiten, zu internationelen Vergleichen und Regionalanalysen. Er zählt zu den führenden Experten auf dem Feld der Arbeitsmarktpolitik und der Ökonomie. Neben seiner Forschungsarbeit engagiert Möller sich intensiv in der Verbandsarbeit. Seit 2007 ist er Dirketor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit. Er ist in der Region Lüneburg geboren und absolvierte seine Schulausbildung in der Stadt.

Die Leuphana Universität ehrt in Joachim Möller einen Wissenschaftler, der seine ökonomische Expertise in den Dienst der Gesellschaft stellt. Der seine Erkenntnisse über die Wirtschaft dazu nutzt, immer mit Augenmaß Vertrauen zu geben und zur Wachsamkeit aufzurufen.

Prof. Dr. Axel Honneth. Er konzentriert sich in seinen Forschungsarbeiten auf Sozialphilosophie und die Logik der Sozialwissenschaften. Zu seinen Themen gehören Fragen von Anerkennung und Moralität sowie die Fortentwicklung einer kritischen Gesellschaftstheorie. Honneth zählt zu den nahmhaftesten Schülern von Jürgen Habermas und ist seit April 2001 dessen Nachfolger als geschäftsführender Direktor des Instituts für Sozialforschung an der Universität Frankfurt.

Axel Honneth zeichnet sich aus der Sicht der Leuphana dadurch aus, dass er in der Tradition der Kritischen Theorie unsere Denk- und Handlungsweisen durchleuchtet und Ideologien hinterfragt. Dabei ist er in besonderer Weise erfolgreich darin, Brücken zu  schlagen, einen Diskurs zu ermöglichen zwischen unterschiedlichen, sich widerstreitenden philosophischen Richtungen.