Gasthörerschaft im Offenen Hörsaal: Erfahrungsberichte

Warum nehmen andere an dem Gasthörerprogramm teil? Was sind ihre Erfahrungen aus der Gasthörerschaft an der Leuphana? Erfahren Sie hier mehr in den Erfahrungsberichten unserer Studierenden.

"Die Vielzahl der Angebote ist verführerisch"

Ingo Krajewski wohnt in Obershagen in der Nähe von Celle, ist Jahrgang 1941 und fährt seit vier Jahren ziemlich regelmäßig zur Teilnahme am Gasthörerprogramm "Offener Hörsaal" nach Lüneburg. Am meisten interessieren ihn Themen im Bereich Philosophie.

Ingo Krajewski, Gasthörer im Leuphana Gasthörerprogramm Offener Hörsaal ©Leuphana/Lea Bienhaus
Ingo Krajewski, Gasthörer
  • Wie sind Sie auf das Gasthörerprogramm "Offener Hörsaal" aufmerksam geworden?
  • Warum haben Sie sich für das Gasthörerprogramm entschieden?
  • Haben die Seminarveranstaltungen, die Sie besuchen einen Bezug zu ihrem Beruf, bauen sie aufeinander auf oder entscheidet die Neugier?
  • Haben Sie Kontakt zu den Studierenden? Findet ein Austausch statt?
  • Was würden Sie anderen Gasthörern empfehlen, wie kann man sich vorbereiten oder kann man sich überhaupt vorbereiten?
  • Haben Sie aus dem Gasthörerprogramm viel für den Alltag mitgenommen?
  • Für Seminarteilnehmende ist das Ganze ja auch besonders, Sie haben bestimmt einen anderen Blickwinkel auf einige Sachen, oder?
  • Haben Sie noch irgendwas, was Sie uns oder anderen mitteilen möchten?

Wie sind Sie auf das Gasthörerprogramm "Offener Hörsaal" aufmerksam geworden?

Auf der Suche nach Weiterbildung habe ich durch das Internet erfahren, welche Möglichkeiten es auf diesem Gebiet an den Universitäten gibt und da kam ich auf Lüneburg und Hannover. Von Celle-Obershagen aus liegt natürlich Hannover näher, aber das Gasthörer-Programm in Lüneburg hat mich mehr überzeugt. Auch das Anmelden ist in Lüneburg sehr einfach. Ich habe den Betrag überwiesen, konnte an den Seminaren probeweise teilnehmen und mich erst dann entscheiden, bei welchen ich tatsächlich mitmachen wollte. Außerdem ist Lüneburg eine sehr schöne Stadt mit einer Vielzahl von jungen Menschen und einem hohen Freizeitwert. Es herrscht dort eine andere und besondere Stimmung, anders als in Hannover. Ich muss zwar 115 Kilometer fahren, aber das war es mir immer wert.

Warum haben Sie sich für das Gasthörerprogramm entschieden?

Ich wollte zu Hause im Alter nicht versauern und hatte Lust, mich weiterzubilden und möchte fit bleiben. Da kann ich das Gasthörerprogramm sehr gerne weiterempfehlen. Dort gibt es immer ein umfangreiches Angebot an Seminaren und Vorträgen. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt, man trifft hier nette Leute, kommt mit jungen Menschen in Kontakt und kann sich selber auch gut mit einbringen.

Die Vielzahl der Angebote ist verführerisch. Was die Themen betrifft, habe ich mich schon immer für Philosophie interessiert, auf der Suche nach den Urgründen des Seins, wobei dann das Seminar "Philosophie und Management" eher den Bezug zur Gegenwart aufnahm. Mit einem der Philosophiekurse waren wir sogar an einem Wochenende im "Intensivkurs" auf einem Bauernhof. Daran erinnere ich mich bis heute noch gerne zurück.

Ein anderes Seminar hieß "Einführung in die Transkriptionsanalyse". Hier konnten wir in Gruppen arbeiten und ein frei gewähltes Gespräch analysieren. So haben wir ein selber geführtes Gespräch gefilmt und dann analysiert. In diesem Seminar habe ich mich besonders wohl gefühlt, weil ich sehr gut aufgenommen und quasi wie ein Student behandelt wurde.

Haben die Seminarveranstaltungen, die Sie besuchen einen Bezug zu ihrem Beruf, bauen sie aufeinander auf oder entscheidet die Neugier?

Nicht immer zum Beruf, aber die Neugier spielt schon mit. Die ausgewählten Themen haben meist sehr wenig Bezug zu meinen früheren Berufen, bauen auch nicht aufeinander auf. Ich nehme aber schon deshalb teil, um über aktuelle Themen mitreden zu können sowie Themen der Zeit und der Gegenwart zu betrachten.

Haben Sie Kontakt zu den Studierenden? Findet ein Austausch statt?

Das variiert. Während der Vorlesungszeit sicher mehr als sonst. Respektiert und angenommen wurde ich bislang aber immer und es macht mir Freude, mitdiskutieren zu können. Wenn in einem Seminar die Anzahl der Gasthörer überwiegt, sollte man sich selber zurückhalten und zunächst den jungen Menschen den Vortritt lassen.

Was würden Sie anderen Gasthörern empfehlen, wie kann man sich vorbereiten oder kann man sich überhaupt vorbereiten?

Man sollte, vor allem im Alter, auf jeden Fall mit "Multimedia" vertraut sein, schon um sich für das Gasthörerprogramm anmelden zu können. Wer zum Beispiel keine Mail-Adresse hat, muss diese einrichten, sich eventuell Hilfe holen im Uni-Büro und die umfangreichen Infos dazu nutzen. Aufgeschlossen sein auch für andere Meinungen und Erkenntnisse als die der eigenen, das halte ich für wesentlich, will man am Gasthörerprogramm Freude haben. Man kann zur eigenen Sicherheit probeweise an den Veranstaltungen teilnehmen, das ist ja das Gute und dort wird man schnell feststellen, ob die Anforderungen für einen zu bewältigen sind oder man sich eher passendere Seminare aussuchen sollte.

Haben Sie aus dem Gasthörerprogramm viel für den Alltag mitgenommen?

Ja, durchaus, das habe ich! Das Tolle daran ist, dass ich zu Hause immer Gesprächsthemen mit meinen zahlreichen Kontakten habe. Ich kann von der Uni erzählen und werde häufiger gefragt, was denn die Studierenden dazu sagen. Es ist spannend zu sehen, wie die vielen Meinungen divergieren und welche Ansichten vorherrschen. So bleibe ich immer in Kontakt. Zudem habe ich im Gasthörerprogramm erkannt, wie heute an der Uni gearbeitet wird und dass man sich keine Sorgen um die Zukunft machen muss, was die Studierenden betrifft. Im Zielstreben hat sich kaum etwas verändert. Ja, ich habe das Gefühl, es ist noch zielgerichteter geworden, vielleicht durch den Druck, der von außen kommt, wie manche sagen. Bei Bachelor und Master sei manchmal zu viel vorgeschrieben und so weiter!

Für Seminarteilnehmende ist das Ganze ja auch besonders, Sie haben bestimmt einen anderen Blickwinkel auf einige Sachen, oder?

Ja, natürlich. Ich habe zwar selber auch Ideen und Meinungen, die ich gerne vorschlage, die dem heutigen Trend vielleicht nicht folgen und es ist aufschlussreich, die Meinungen der anderen zu hören. Es gibt einen ständigen Austausch mit den Studierenden und auch diese können möglicherweise von den Gasthörer-Beiträgen zum Beispiel aus der Lebenserfahrung der Älteren etwas mitnehmen.

Haben Sie noch irgendwas, was Sie uns oder anderen mitteilen möchten?

Ja, definitiv weitermachen, wie schon gesagt: Weitermachen mit viel Engagement, auch für die Leute, die hier Gasthörer sind! Wir und insbesondere die Uni brauchen keine Angst vor der Zukunft zu haben. Die Studierendenschaft macht auf mich einen sehr positiven Eindruck, ich bin ganz beruhigt, sodass ich immer mit einem guten Gefühl zurückfahren kann. Die Zukunft ist zwar immer offen, aber ich bin optimistisch, dass daraus was wird.

"Man muss Lust haben, sich damit auseinanderzusetzen"

Claus Göpfert aus Lüneburg ist 71 Jahre alt und seit 2013 regelmäßig beim Gasthörerprogramm dabei. Am meisten interessieren den pensionierten Berufsschullehrer politische Veranstaltungen. An den Campus fährt er regelmäßig mit dem Fahrrad.

Claus Göpfert, Gasthörer im Leuphana Gasthörerprogramm Offener Hörsaal ©Leuphana/Lea Bienhaus
Claus Göpfert, Gasthörer
  • Wie sind Sie auf das Gasthörerprogramm „Offener Hörsaal“ aufmerksam geworden?
  • Warum haben Sie sich für das Gasthörer-Programm entschieden?
  • Wie lange sind Sie schon Gasthörer? Und wie viele Veranstaltungen besuchen Sie im Semester?
  • Fällt es schwer, sich bei den zurzeit ca. 200 Veranstaltungen zu entscheiden? Nach welchen Kriterien gehen Sie vor?
  • Welches Seminar/welche Vorlesung ist Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben und warum?
  • Haben die Seminare/Vorlesungen, die Sie besuchen, einen Bezug zu Ihrem Beruf oder entscheidet die Neugier?
  • Haben sie Kontakt zu den grundständigen Studierenden? Findet ein Austausch statt?
  • Können Sie das Gasthörerprogramm weiterempfehlen?
  • Was würden Sie anderen Gasthörern empfehlen, wie kann man sich vorbereiten oder kann man sich überhaupt vorbereiten?
  • Haben Sie noch etwas auf dem Herzen?

Wie sind Sie auf das Gasthörerprogramm „Offener Hörsaal“ aufmerksam geworden?

Ich habe mir einzelne Veranstaltungen hier an der Uni angeschaut und bin da auf das Gasthörerprogramm gestoßen. Da habe ich mir gedacht, dass ich ja nicht immer nur zu Einzelveranstaltungen hingehen muss, was ich natürlich nach wie vor gerne mache, sondern auch die Institution der Gasthörerschaft nutzen kann.

Warum haben Sie sich für das Gasthörer-Programm entschieden?

Ich gehe hier her, weil ich meinen Kopf noch ein bisschen beschäftigen möchte – hier muss ich Texte lesen, muss mir nochmal Gedanken machen und überlegen, wie meint der Dozent das jetzt? Aber ich begegne auch jungen Leuten und dieser Punkt ist für mich und meine eigene Motivation mindestens genauso bedeutend wie der erste.
Ich fahre mit dem Fahrrad her, das ist auch verkehrstechnisch bequem. Hinterher fahre ich durch den Kurpark und trinke noch einen Kaffee in meinem Tennisverein. Dann sind das für mich schöne Nachmittage, die ich verbringe, und dann ist das hier eingebunden. Schon eine schöne Sache.
Und jetzt werde ich mal ganz philosophisch: wenn ich mir so meine Altersgruppe anschaue, dann sind da einige gestorben, einige sind vielleicht schwer krank oder haben erkrankte Angehörige, dann sind das manchmal schwierige Gesprächsthemen, wo man mit dem Ende des Lebens konfrontiert wird. Die will ich auch nicht verdrängen, aber ich will auch nicht den ganzen Tag drüber nachdenken.  Wenn ich mit jungen Leuten zusammen bin, da gibt es ganz andere Themen.

Wie lange sind Sie schon Gasthörer? Und wie viele Veranstaltungen besuchen Sie im Semester?

Seit 2013 sind es immer zwei Wochenstunden, die ich in der Regel besuche, zweimal 90 Minuten.  Manchmal mache ich auch nur eine. Im Winter meistens zwei, im Sommer nur eine. Und wenn ich es mir gesundheitstechnisch leisten kann, dann ist das Ende für mich nicht abzusehen, dann werde ich immer weiter machen.

Fällt es schwer, sich bei den zurzeit ca. 200 Veranstaltungen zu entscheiden? Nach welchen Kriterien gehen Sie vor?

Erstens geht es immer um die Zeit, es muss immer ab Mittag sein. Vorlesungen, die um 8 oder 10 Uhr beginnen, sind aufgrund meines geänderten Lebensrhythmus nicht die erste Wahl. Dann geht es darum, welches Fach passen könnte: Politik, Psychologie, Soziologie. Und dann gehe ich in die Veranstaltung rein, da kommt das nächste Kriterium: was herrscht für eine Atmosphäre in dieser Veranstaltung? Und dann stell ich immer fest, das kann so spannend sein, das Thema, wenn die Atmosphäre nicht stimmt und das inhaltlich so runtergeleiert wird, dann ist das ist nichts für mich. Als Gasthörer genieße ich sehr die Freiheit, dass ich es mir dann aussuchen kann.

Welches Seminar/welche Vorlesung ist Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben und warum?

Ich habe ein Touristik-Seminar besucht. Dort haben wir Hotels evaluiert und sind dazu nach Mecklenburg-Vorpommern in verschiedene Hotels gefahren. Der Professor hatte von einem Reiseveranstalter den Auftrag bekommen, zu überprüfen, ob dort alle Vorgaben umgesetzt werden. Wir haben in Lüneburg zuerst die Standards untersucht und dann in den Hotels überprüft. Dort haben die einzelnen Gruppen Berichte verfasst und zum Schluss bei dem Reiseveranstalter vorgestellt.
Das war super interessant für mich. Ich bekam auch ein Einzelzimmer, aber ich wurde in eine Arbeitsgruppe integriert und mit denen habe ich bis heute Kontakt. Das war so mein Highlight, mit den Studierenden da hinzufahren. Wir sind gut ins Gespräch gekommen, man mochte sich.

Haben die Seminare/Vorlesungen, die Sie besuchen, einen Bezug zu Ihrem Beruf oder entscheidet die Neugier?

Ich bin pensionierter Berufschullehrer, meine Fächer waren Wirtschaft, Politik und Sport und nach wie vor interessiert mich Politik. Ich bin dann auch gleich in eine Politikveranstaltung hinein geraten, bei der es um die Geschichte der RAF ging. Da bin ich natürlich Zeitzeuge und da hat mich die Dozentin natürlich öfter als Zeitzeugen eingebaut. Politik und Soziologie sind so die Themen, die mich eigentlich am meisten interessieren und in denen ich immer wieder tätig werde. Als letztes habe ich im vorangegangenen Wintersemester eine Vorlesung gehört „1968“ und eine andere, da ging es um Entwicklungspsychologie.

Haben sie Kontakt zu den grundständigen Studierenden? Findet ein Austausch statt?

Den Kontakt zu den Dozierenden suche ich eher weniger, mich interessieren eher die Zuhörer, der Kontakt zu den Studierenden. Ich habe durchgängig in den sechs Jahren festgestellt, dass mir nirgends eine negative Atmosphäre entgegen geschlagen ist. Man ist mir offen gegenüber getreten und man interessiert sich, mal mehr, mal weniger: wer bist du, was hast du bisher gemacht und erzähl mal. Ich bin dann auch mal zu Sonderveranstaltungen von Studierenden eingeladen worden, am Wochenende zu einem Projekt, da ging es um Geflüchtete und da konnte ich ihnen viel erzählen, da ich selber Geflüchtete unterrichtet habe eine Zeit lang. Das beglückt mich natürlich, wenn man dann merkt, man hat was rüber zu bringen.

Können Sie das Gasthörerprogramm weiterempfehlen?

Ja, mach ich ständig. Ich hab einen Kollegen, der ist gerade pensioniert worden und der ist jetzt auch hier tätig. Wir haben uns im letzten Jahr eine Vorlesung in Philosophie angehört, da trat alle vierzehntage Herr Dr. Precht auf. Das war super.
Ich spreche mit anderen Leute und mache in meinem Bekanntenkreis ständig Reklame, einige sind auch schon eingestiegen. Mit denen gehe ich dann immer zur Einführungsveranstaltung und dann gibt es auch nochmal eine Feedback-Veranstaltung am Ende des Semesters. Da nehme ich auch immer Leute aus meinem Bekanntenkreis mit, die Interesse bekunden. Und dann muss jeder selbst feststellen, ob es etwas für ihn ist. Ich komm dann auch mit meinen Jahrgängen ins Gespräch. Da geht es aber meistens um die Kenntnisse in den digitalen Medien, das ist dann auch immer nett.

Was würden Sie anderen Gasthörern empfehlen, wie kann man sich vorbereiten oder kann man sich überhaupt vorbereiten?

Man kann sich da nur vorbereiten, indem man überhaupt Interesse hat, sich mit neuen inhaltlichen Dingen zu beschäftigen. Man muss Lust haben, sich damit auseinander zu setzen. Man muss eine gewisse Neugierde haben und seine Angstschwelle vor dem Unbekannten überwinden. Und ich glaube, das ist ein ganz individueller Prozess, der eine kann das, der andere nicht. Wenn man nicht neugierig ist und nichts Neues erfahren will, warum soll ich dann an die Uni gehen?!

Haben Sie noch etwas auf dem Herzen?

Weiter so, ich komme hier gerne hin. Natürlich ist diese Uni mit 9.000 bis 10.000 Studierenden sehr vielschichtig und sehr weit verzweigt, auch wenn ich da noch nicht alles weiß, dann möchte ich das kennenlernen. Ich könnte jetzt keine Tipps geben, wie es besser laufen könnte.

Es gibt Lücken, die ich hier füllen kann"

Manfred J. Hahn absolviert 2019 schon im vierten Semester parallel zu seiner Berufstätigkeit als Architekt das Gasthörerprogramm. Er legt besonders viel Wert auf Kontinuität.

Manfred J. Hahn, Gasthörer im Leuphana Gasthörerprogramm Offener Hörsaal ©Leuphana/Lea Bienhaus
Manfred J. Hahn, Gasthörer
  • Wie sind Sie denn auf das Gasthörerprogramm aufmerksam geworden?
  • Wann und wie haben Sie angefangen? Machen Sie das schon länger?
  • Und dann haben Sie sich durch die Promotionsüberlegungen für eine Gasthörerschaft entschieden oder gab es noch andere Gründe?
  • Sie betreiben das Gasthörerprogramm dann ja parallel zum Beruf. Das ist zeitlich bestimmt gar nicht so einfach.
  • Wie viele Veranstaltungen besuchen Sie dann pro Semester?
  • Fällt es Ihnen schwer, sich zwischen den Angeboten zu entscheiden? Es sind ja doch so 200 angebotene Veranstaltungen.
  • Das heißt, Sie gehen nach den Kriterien Interesse und Zeit?
  • Jetzt sind Sie ja schon eine Zeit dabei, gibt es ein Seminar bei dem Sie sagen, das ist Ihnen in Erinnerung geblieben oder das gefiel Ihnen am besten?
  • Die Seminare und Vorlesungen haben dann aber keinen direkten praktischen Bezug zu Ihrem Beruf?
  • Wie läuft der Kontakt zu den grundständig Studierenden? Findet auch Austausch statt?
  • Würden Sie das Gasthörerprogramm auch weiterempfehlen?
  • Haben Sie noch etwas auf dem Herzen, was Sie uns oder den Lesern mitteilen möchten?

Wie sind Sie denn auf das Gasthörerprogramm aufmerksam geworden?

Ich wollte vor geraumer Zeit an der Leuphana ein zweites beziehungsweise ein drittes Studium anfangen. Das habe ich dann aber abgebrochen, weil das zu meinem eigentlichen Beruf doch nicht so gut gepasst hat, wie ich dachte. Ich hatte mich für Betriebswirtschaft eingeschrieben und dann gemerkt, dass ich mehr in den kreativen Bereich gehöre.

In der Vergangenheit habe ich versucht, den Kontakt zur Universität zu halten, weil ich den Anschluss an die universitäre und wissenschaftliche Entwicklung halten wollte. Und dann hat es sich so ergeben, dass ich überlegt habe zu promovieren. Dafür muss man aber Zeit haben. Dann kam in einem Gespräch die Idee, vielleicht erstmal eine Gasthörerschaft anzutreten. Das habe ich dann auch getan.

Wann und wie haben Sie angefangen? Machen Sie das schon länger?

Ich denke, das ist bei mir jetzt das vierte Semester. Kontinuität ist mir wichtig.

Und dann haben Sie sich durch die Promotionsüberlegungen für eine Gasthörerschaft entschieden oder gab es noch andere Gründe?

Genau, erstmal das und Universitätsarbeit ist doch was anderes, als das, was ich tagtäglich mache. Es hat sich aber herauskristallisiert, das ich durch das Spektrum, was hier angeboten wird, einige Dinge heraussuchen konnte, die ich für meine Promotion zunächst einmal gar nicht gebraucht hätte. Durch berufliche Entwicklungen musste ich die Promotion doch wieder hinten anstellen, aber das Gasthören habe ich weiter betreiben können.

Sie betreiben das Gasthörerprogramm dann ja parallel zum Beruf. Das ist zeitlich bestimmt gar nicht so einfach.

Das stimmt, das ging bisher ganz gut, da ich nicht alleine in meinem Büro arbeite. Da macht das Delegieren einiges einfacher. Ab diesem Semester muss ich allerdings schauen, wann es zeitlich passt und mich bei der Kurswahl nach den Zeiten richten und das läuft auf Nachmittagstermine hinaus.

Wie viele Veranstaltungen besuchen Sie dann pro Semester?

Das waren so vier bis fünf.

Fällt es Ihnen schwer, sich zwischen den Angeboten zu entscheiden? Es sind ja doch so 200 angebotene Veranstaltungen.

Ja, es gibt ja immer Dinge, die mir näher liegen und Dinge, die mich nicht so ansprechen. Also Musik und Tanz ist eigentlich nicht so das, worauf ich so abfahre. Es sind dann Dinge, die mich einfach interessieren oder bei denen ich das Gefühl habe, da ist noch was nachzubessern oder wiederaufzufrischen.

Das heißt, Sie gehen nach den Kriterien Interesse und Zeit?

Ja, genau. Letztes Semester ging es nach Interesse und jetzt geht es nach Zeit.

Jetzt sind Sie ja schon eine Zeit dabei, gibt es ein Seminar bei dem Sie sagen, das ist Ihnen in Erinnerung geblieben oder das gefiel Ihnen am besten?

Im Moment gehe ich in das Seminar "Spiritualität und Meditation" und das nun schon im vierten Semester. Das spricht mich ganz besonders an, diese Verbindung von Informationen aus dem rein kopf-betonten-Bereich und dem, der so mehr von den Emotionen kommt. Diese Kombination hat mich gereizt. Die finde ich auch für mein Leben gut.

Die Seminare und Vorlesungen haben dann aber keinen direkten praktischen Bezug zu Ihrem Beruf?

Naja klar, Architektur wird ja hier an der Universität nicht angeboten, wenngleich es auch schon spezielle Angebote gibt. Zum Beispiel von Frau Professor Kirschner, die Architektin ist. Die anderen sind mehr so Kommunikation und Big Data, Social Media. Das sind Themen, die mich interessieren und wo ich festgestellt habe, dass es bei mir auch Lücken gibt, die ich hier füllen kann oder die zumindest anregen, darüber mal nachzudenken.

Wie läuft der Kontakt zu den grundständig Studierenden? Findet auch Austausch statt?

Ich glaube, der Kontakt zwischen mir und den Studierenden ist nicht intensiver oder geringer, als er zwischen den Studierenden ist. Was die dann hinterher tun ist natürlich eine ganz andere Frage. Gibt es allerdings Gruppenarbeiten, dann läuft das wie mit anderen Studierenden auch. Man duzt sich und ist auf Augenhöhe. Gruppenarbeiten sind also kein Problem.

Würden Sie das Gasthörerprogramm auch weiterempfehlen?

Ja, auf jeden Fall. Es ist ein Angebot, was einen qualitativ, intellektuellen Hintergrund ausweist, was man sonst so einfach nicht geboten bekommt. Es ist inspirierend und ich denke, das geht anderen vielleicht ähnlich.

Haben Sie noch etwas auf dem Herzen, was Sie uns oder den Lesern mitteilen möchten?

Ich kann einfach nur sagen: ausprobieren. Keine Hemmschwelle aufbauen, das merke ich bisweilen, wenn ich darüber rede. Ich hab den Eindruck, den Schritt dahinzugehen, das ist bei einigen doch nicht so ohne. Und wer berufstätig ist, der hat natürlich sein eigenes Programm tagsüber. Nicht jeder ist in der Situation, seine beruflichen Termine flexibel gestalten zu können. Diese Angebote der Universität werden für viele Berufstätige nur dann sinnvoll wahrgenommen werden können, wenn sie entweder an freien Tagen für diejenigen stattfinden oder zu freien Zeiten. Und das ist meistens abends. Das andere wären Wochenendtermine. Habe ich auch schon gemacht, schöne kompakte Sachen, vier Wochenenden hintereinander immer so von 10 bis 17 Uhr. Ich fand es immer gut.

Was ich auch besonders toll finde, ist, wie qualitativ hochwertig die Arbeiten der Mitstudierenden sind. Ich mache ja keine Scheine, aber wenn ich dann sehe, was am Ende des Semesters präsentiert wird - das sind gut strukturierte Arbeiten - und was ich auch als sehr angenehm empfinde, dass durchgängig Studierende mit Selbstbewusstsein und einer gewissen Professionalität daran gehen. Das muss ich auch anerkennen, das finde ich gut.