Alumni im Porträt: Prof. Dr. Tobias Blask

07.02.2020 Tobias Blask studierte an der Fakultät Wirtschaftswissenschaften. Er promovierte am Institut für Wirtschaftsinformatik und gründete mit vier Kollegen das AdTech-Unternehmen „Adference“. Schließlich nahm er eine Professur in Süddeutschland an.

Prof. Dr. Tobias Blask ©ANNA STOJAN
Prof. Dr. Tobias Blask ©Anna Stojan
Prof. Dr. Tobias Blask ©ANNA STOJAN

Tobias Blask war eigentlich schon immer klar, dass er einmal ein Unternehmen gründen und Professor werden wollte. Dass beides tatsächlich geklappt hat, überrascht ihn selbst etwas, schlussendlich ist es aber das Resultat aus viel Fleiß, Mut und etwas Glück.

Zunächst absolvierte er eine Ausbildung zum Werbekaufmann. „Dann merkte ich aber, dass mir etwas fehlt. Und dass ich gerne noch mit einem Studium meinen Horizont erweitern würde. Ich habe mich für den Studiengang ‚Wirtschafts- und Sozialwissenschaften‘ entschieden“, sagt er. Er beendete sein Studium 2007 und entschied sich zunächst für eine freiberufliche Tätigkeit. Inhaltlich hatte er schon sehr früh seine Leidenschaft für Digitalisierung, Online-Marketing und quantitative Forschungsmethoden entdeckt. Als an der Leuphana eine entsprechende Promotionsstelle ausgeschrieben wurde, war er sofort begeistert und bewarb sich am Institut für Wirtschaftsinformatik, bei Prof. Dr. Burkhardt Funk.

 „Inhalt unserer Forschungsarbeiten war die Analyse von Nutzerverhalten im Internet. Das sind sehr umfangreiche Datensätze. Zum Einzelfall liegen in der Regel aber nur sehr wenige Beobachtungen vor. Wir suchten nach Wegen, bei diesen Gegebenheiten bereits sehr frühzeitig mit hoher Sicherheit Kaufwahrscheinlichkeiten vorherzusagen.“  Dabei hat ihn immer auch die praktische Relevanz fasziniert. Basierend auf den Ergebnissen treffen Unternehmen Entscheidungen. Dies kann bei der Verteilung von Marketingbudgets im Rahmen der so genannten Attributionsmodellierung stattfinden, wie auch als Entscheidungsintelligenz in Technologien, die automatisiert und selbstlernend Optimierungen vollführen. „Konkret habe ich zur Automatisierung der Entscheidungsfindung im digitalen Marketing promoviert und dazu hauptsächlich Bayes‘sche Statistik benutzt.“ Das ist eine Methode, die es sehr elegant erlaubt, Vorwissen in eine Entscheidungssituation mit einzubringen, um so bereits auf sehr kleinen Fallzahlen gut abgesicherte Entscheidungen treffen zu können.

„Wir haben sehr früh begonnen, in der Forschung mit unterschiedlichen Praxispartnern zusammenzuarbeiten. Das anwendungsorientierte Forschungsprojekt war Teil des EU-Großprojektes Innovations-Inkubator. Unsere Ergebnisse stießen bei diesen Partnern auf zunehmendes Interesse, sodass wir im Team mögliche Geschäftsmodelle für eine Gründung diskutierten. In 2013 fassten wir den Entschluss zur Umsetzung.“ Das gegründete Unternehmen, Adference, hatte bereits zu Beginn zwei Standbeine: „Wir haben Unternehmen komplexe individuelle Werbewirkungsmodelle angeboten. Zu uns kamen also in erster Linie sehr große Werbetreibende und fragten ‚wie relevant ist der Beitrag einzelner Werbemaßnahmen dafür, dass mein Produkt gekauft wurde? Wie sieht daher unser optimaler Marketingmix aus, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen?‘ “ Es gibt statistische Möglichkeiten, diese Frage mit einer relativ hohen Sicherheit beantworten zu können. Unternehmen können daraufhin besser planen, wofür sie ihr Budget ausgeben. Andererseits entwickelten die Gründer eine Software, die automatisiert für Werbetreibende in Google und Amazon arbeitet. Das funktioniert so erfolgreich, dass Adference inzwischen zu einem der größten Partner von Google in Deutschland wurde.

Danach gefragt, welches die lessons learned sind und was man daraus hinsichtlich der Frage nach Bildung mitnehmen kann, antwortet Blask: „Der individuelle fachliche Hintergrund ist nur zum Teil wichtig.  Viel wichtiger sind Teamfähigkeit und Agilität. Ich war bei der Gründung ja absolut nicht alleine, wir waren immer ein tolles Team, eine Gruppe von Gründern, die mit großem Kraftaufwand und Freunde auf ein gemeinsames Ziel hinarbeitete. Daneben hatten wir stets wohlwollende Mentoren und Wegbegleiter. Das ist übrigens auch etwas, was ich für meine heutige Position als Learning mitgenommen habe und leben möchte. Die Kollegen der Existenzgründungsberatung und des Kooperationsservice haben uns die gesamte Startphase über begleitet und unterstützt. Explizit das herausragende persönliche Engagement von Andrea Japsen und Carsten Wille kann an dieser Stelle gar nicht genug betont werden. Die Bedeutung von Gemeinschaft und von gegenseitiger Unterstützung, ist eine Konstante, deren Wichtigkeit mir immer wieder klar wird. Selbst bei Dingen, wo man denkt, dass sei geradezu klassisch für Einzelkämpfer*innentum, wie Wissenschaft, ist man nie allein – man hat die Doktormutter oder den Doktorvater, die Kolleginnen und Kollegen im Institut, seinen Freundeskreis und seine Familie, die einen unterstützen.“ Start-ups aus der Wissenschaft haben gute Chancen, über vielfältige Förderprogrammen unterstützt zu werden, so Blask. „Unser Unternehmen erhielt u.a. zwei hilfreiche Förderungen (EXIST Gründerstipendium, Leuphana Business Accelerator). Das hat sehr geholfen. Im letzten Jahr wurden wir auch mit dem regionalen Gründerpreis impuls 2019 ausgezeichnet.“

Sein Wunsch, langfristig in der Wissenschaft zu arbeiten, war aber immer noch da. Und eigentlich sind Unternehmertum und Forschung gar nicht so unähnlich. „Ich habe eine große Freude dran, Themen in meinen Fachgebieten zu hinterfragen, tiefgängig zu erkunden, neue Modelle aufzubauen und zu testen - mit allen Höhen und Tiefen.“ Als die Gründer Adference dann nach fünf Jahren an den Mode-Riesen „About You“ verkauften; setzte Blask seinen zweiten Karrierewunsch um. „Ich nahm ich den Ruf auf eine Professur für Digital Advertising an der Hochschule der Medien in Stuttgart an. Jetzt möchte ich zu den Themen lehren und forschen, die mich am meisten bewegen. Man hat natürlich enorme Freiheit in der individuellen Ausgestaltung dieses tollen Berufs. Es macht mir viel Spaß mit Studieren zu arbeiten, ich finde die Energie, die Fragen, die Begeisterung, die Studierende haben, klasse und ich freue mich, etwas von meinem Wissen teilen zu können. Und wenn sich dabei dann auch noch ein Funke meiner unternehmerischen Begeisterung überträgt, umso besser!“

In nächster Zeit sind sogar wieder weitere Beteiligungen und eine neue Gründung geplant: „Wenn man einmal die Begeisterung fürs Unternehmertum gefunden hat, lässt es einen nicht mehr los. Einerseits gibt es im Umfeld der Hochschule in Stuttgart tolle Gründungsaktivitäten, in die ich mich gerade sehr gerne einbringe. Momentan arbeiten wir aber auch spezifisch an einer Gründungsidee an der Schnittstelle zwischen Personalisierung und Künstlicher Intelligenz. Da gibt es eine Vielzahl Anwendungsfällen von hoher wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Relevanz.“