Wissenschaft für Nachhaltige Entwicklung

Sechs Projektvorhaben von Nachhaltigkeitsforscherinnen und –forschern der Leuphana Universität Lüneburg wurden im November 2014 im Rahmen des Förderprogramms „Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung“ ausgewählt. Damit ging die Leuphana als erfolgreichste Universität aus dieser ersten Runde des Förderprogramms „Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung“ hervor, das die VolkswagenStiftung und das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur gemeinsam ausgeschrieben hatten. 

Das Themenspektrum reicht von epistemologischen und methodischen Grundlagen nachhaltiger Entwicklung über Transformationsprozesse in sozial-ökologischen Systemen bis hin zu nachhaltiger Stadtentwicklung und nachhaltigem Konsum im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Projekte:

Complexity or Control? Paradigms for Sustainable Development (CCP)

Das Projekt untersucht gegenwärtige Vorstellungen von Nachhaltigkeit und nachhaltiger Entwicklung. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Vorstellungen über nachhaltige Entwicklung nach wie vor einem Steuerungsideal unterliegen. Dieses Ideal ist Ausdruck einer Kontrollfaszination, die die Entwicklung von Wissenschaft und Technik in den westlichen Kulturen über Jahrzehnte geprägt hat. Die Wirkmächtigkeit der Nachhaltigkeitsidee wird durch dieses Kontrollparadigma stark eingeschränkt. Alternativen zur Illusion einer allumfassenden Steuerung gibt es zwar, sie bedürfen allerdings der Konsolidierung und breiteren Anerkennung. Diesem Ziel will sich das Projekt nähern, indem es die Geschichte von Kybernetik, von der Theorie komplexer Systeme und von Nachhaltigkeit in den Blick nimmt. Auf dieser Grundlage wollen die Wissenschaftler epistemologische und methodische Grundlagen für eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung weiterentwickeln, um einen substantiellen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung zu leisten. Projektverantwortliche sind Prof. Dr. Ulli Vilsmaier (Sprecherin), Prof. Dr. Erich Hörl, Prof. Dr. Daniel Lang und Prof. Dr. Manfred Laubichler (Arizona State University).

Weitere Informationen: Projektseite „Complexity or Control? Paradigms for Sustainable Development (CCP)“

Leverage Points for Sustainability Transformation: Institutions, People, Knowledge

Eine zentrale Herausforderung für die Nachhaltigkeitsforschung besteht darin zu verstehen, wie Dynamiken gekoppelter sozial-ökologischer Systemen einen Transformationsprozess in Richtung Nachhaltigkeit unterstützen können. Das Projekt fokussiert auf bislang wenig beachtete sogenannte „leverage points“, d.h. Systemeigenschaften, bei denen kleine Änderungen zu fundamentalem Wandel im Gesamtsystem führen. Untersucht werden drei nachhaltigkeitsrelevante Interventionspunkte: institutionelle Dynamiken, Mensch-Umwelt-Interaktionen und nachhaltigkeitsbezogene Wissensproduktion. In dem Projekt sollen empirische Untersuchungen in zwei kontrastierenden europäischen Regionen (Transsilvanien/Rumänien und Niedersachsen) auf lokaler Ebene und unter Einbeziehung lokaler Akteure vorgenommen werden. Schwerpunktmäßig werden Energie sowie Nahrungsmittel / Ernährung als nachhaltigkeitsrelevante Schlüsselthemen untersucht. An dem Projekt beteiligt sind Prof. Dr. Daniel Lang (Sprecher), Dr. David J. Abson, Prof. Dr. Jörn Fischer, Dr. Julia Leventon, Prof. Dr. Jens Newig, Prof. Dr. Thomas Schomerus, Prof. Dr. Ulli Vilsmaier und Prof. Dr. Henrik von Wehrden.

Weitere Informationen: Projektseite „Leverage Points for Sustainability Transformation: Institutions, People, Knowledge“

NEMO – NACHHALTIGE ERFÜLLUNG VON MOBILITÄTSBEDÜRFNISSEN IM LÄNDLICHEN RAUM

Aufgrund des demographischen Wandels wird es für Landkreise und Gemeinden zunehmend schwieriger, ein Grundangebot an öffentlichen Mobilitätsdienstleistungen wie Bus und Bahn vorzuhalten. Dabei wird der Mobilitätsbedarf auf dem Land in Zukunft weiter zunehmen. Bereits heute stehen die örtlichen Verkehrsbetriebe vor der Herausforderung, die Erreichbarkeit von Arbeits- und Ausbildungsplätzen, Schulen, Gesundheitszentren sowie Freizeitmöglichkeiten aus dem ländlichen Bereich zuverlässig zu gewährleisten. Angesichts dieser Problemlage verfolgt das Forschungsvorhaben NEMo die Entwicklung von nachhaltigen und innovativen Mobilitätsdienstleistungen sowie darauf basierenden Geschäftsmodellen für den ländlichen Raum. Dabei will NEMo neue Mobilitätsangebote schaffen, in denen auch der Bürger (beispielsweise durch die Mitnahme anderer im privaten PKW) zum Mobilitätsanbieter wird. 

Zur Planung und Steuerung dieser neuen ländlichen Mobilität nehmen Informations- und Telekommunikationstechnologien eine Schlüsselfunktion ein. Von Beginn an werden Bürger und öffentliche Mobilitätsanbieter in das Projekt eingebunden, damit sich die tatsächlichen Bedürfnisse und Hindernisse frühzeitig erkennen, berücksichtigen und lösen lassen. Die Konzepte werden in einer vernetzten Plattform für den ländlichen Raum Oldenburg und den Landkreis Wesermarsch zusammengeführt, getestet und im engen Dialog mit den Bürgern bewertet.

Im Bereich der Nachhaltigkeitsforschung zählt die Leuphana inzwischen zu den forschungsstärksten Universitäten in Deutschland – die hohe Zahl der Projektbewilligungen in dem aktuellen Programm belegt dies eindrucksvoll. Maßgeblicher Erfolgsfaktor ist dabei die inter- und transdisziplinäre Ausrichtung der Forschung, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch über Fakultätsgrenzen hinweg verbindet und stets den Bezug zu aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen herstellt. Die vier neuen Projekte können auf belastbaren Strukturen und vielfältigen nationalen und internationalen Forschungskontakten aufbauen, die sich in den letzten Jahren herausgebildet haben und die Qualität der Nachhaltigkeitsforschung an der Leuphana prägen.